In drei Schritten zum besseren Zuhörer

Man hat uns allen beigebracht zu sprechen. Darüber hinaus gibt ein riesiges Angebot, rund um Reden, Vortragen, Präsentieren. Hat man uns auch “Zuhören” beigebracht? Und damit meine ich nicht: “Sei still und hör zu!”. Ich meine echtes und aktives Zuhören, dass uns ermöglicht Inhalte aufzunehmen, zu verarbeiten, zu analysieren um damit zu besseren Entscheidungen zu kommen. Wirklich aufmerksam zuhören, die Position und Sichtweise anderer aufzunehmen und zu verstehen, dürfte wertvoller sein als sich darauf zu konzentrieren, die eigene Meinung nach außen zu transportieren.

Einige unter uns sind da sicher schon besser als der Durchschnitt. In “Still: Die Kraft der Introvertierten” beschreibt Susan Cain was wir von Menschen lernen können, die das Zuhören dem Sprechen vorziehen. Für alle, die ihren ‘listening skill’ weiter entwickeln wollen, hat Bernard T. Ferrari (Autor von “Power Listening: Mastering the Most Critical Business Skill of All“) drei wesentliche Verhaltensweisen in seinem Artikel “McKinsey Quarterly – The executive’s guide to better listening” zusammengestellt.

  1. Zeige Respekt
  2. Dein Gesprächspartner hat eine ganz eigene Sichtweise und Einstellung. Du willst erfahren was er zu sagen hat und vor allem was dein Gegenüber meint. An diese Informationen kommst du besonders gut, wenn du Respekt für die Position, die Gedanken und Ideen deines Gesprächspartners zeigst. Sei tolerant, erbringe Achtung und vielleicht sogar Anerkennung, achte auch auf deine Körperhaltung. Um eine offene Haltung wird man sich zu Anfang vielleicht noch bemühen müssen, deine innere Einstellung wird sich aber ändern, wenn du beginnst, sie wirklich zu leben.
    Zu urteilen oder mit Lösungen in den Satz zu fallen solltest du unbedingt vermeiden. Bemühe dich um einen Dialog, stelle direkte Fragen aber greife dabei nicht an.

  3. Mehr Zuhören als Reden
  4. In seinem Artikel spricht Bernard T. Ferrari von einer modifizierten 80/20 Regel. Dem Gesprächspartner werden 80% der “Redezeit” eingeräumt und die eigenen 20% im besten Fall dazu genutzt, Fragen zu stellen. So kannst du das Gespräch in der Bahn halten ohne aufdringlich zu wirken. Es gilt den Drang zu unterdrücken — den Drang zu sprechen — und so Raum für den Gesprächspartner zu lassen.

  5. Überprüfe Annahmen und suche die tiefere Nachricht
  6. “It’s What You Learn After You Know It All That Counts” so der Titel der Autobiographie von Earl Weaver, der auch Bernard T. Ferrari in Erinnerung geblieben und den er als Eckpfeiler des guten Zuhörens beschreibt. Beim Zuhören muss das Gehirn arbeiten. Es gilt die eigene Einstellung zu überprüfen, Annahmen neu zu bewerten, die tiefere Nachricht unter dem Gesprochenen zu identifizieren. Für Ferrari geht es um die Enthüllung dessen, was wirklich dahinter steckt und so klüger aus dem Gespräch zu gehen. Dies dürfte für die meisten eine Verhaltensänderung darstellen, die schwer umzusetzen ist. Wir werden uns in Gesprächen selbst daran erinnern und aktiv unser Verhalten umstellen müssen.

Diese drei Schritte stellen sicher keine Überraschung dar. Sich im Gespräch daran zu erinnern und sie umzusetzen wird aber eine große Veränderung in uns und in der Wirkung auf andere nachsichziehen.

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