Richtiges Neinsagen lernen

Auf dem Weg zu einem produktiveren und gesünderen Leben ist richtiges Neinsagen eine der wertvollsten Fähigkeiten. Wir möchten uns gerne von Ablenkungen lossagen und mehr Arbeit erledigen. Wir würden gerne Dickmacher und ungesunde Nahrung ablehnen um uns besser zu fühlen oder gesünder zu leben. Bei vielen solcher Vorsätze ist die Halbwertszeit sehr gering. Sicher könnte dies an fehlender Motivation, Selbstdisziplin oder Willenskraft liegen. Wir werden uns diese Punkte später noch genauer ansehen. In diesem Artikel möchte ich mit euch verschiedene Formulierungen beleuchten und überprüfen ob man nicht mit einer besseren Technik zu einem besseren Resultat kommt.

Wie “Nein” sagen?
In ihrer Arbeit “I Don’t” versus “I Can’t”: When Empowered Refusal Motivates Goal-Directed Behavior, veröffentlicht im “Journal of consumer research” und auch direkt als PDF verfügbar, haben Vanessa M. Patrick und Henrik Hagtvedt die Wirkung der Formulierung untersucht.
Mit 120 Studenten und Studentinnen wurde folgender Versuch durchgeführt:
Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Wenn die Probanden mit süßen Versuchungen konfrontiert wurden, sollte sich die erste Gruppe mit “Ich kann x nicht essen!” und die zweite mit “Ich esse x nicht!” motivieren. Gemessen wurde dann inwieweit sich durch das Gesprochene, die eigene Wahrnehmung der Kraft zu widerstehen, beeinflussen lässt. Dazu bekamen alle Studenten einen Fragebogen, der gleichzeitig überprüft ob sich der Proband bevorzugt gesund ernährt. Nach dem Fragebogen wurden die Teilnehmer zu einem anderen Test geschickt, der mit dem Thema nichts zu tun hatte und am Ausgang wurde dann der eigentliche Versuch durchgeführt. Bei der Abgabe der Fragebögen, konnten sich die Teilnehmer eine Belohnung aussuchen — entweder einen Schokoriegel oder aber einen Müsliriegel. Die Wahl wurde unauffällig auf dem Fragebogen vermerkt.
Das Ergebnis erstaunt. Aus der ‘Ich esse x nicht’-Gruppe haben sich 64% gegen den Schokoriegel entschieden. In der ‘Ich kann x nicht essen’-Gruppe waren es lediglich 39%, die sich gegen den Schokoriegel entscheiden konnten. Ein klarer Vorsprung selbst um Faktoren, wie eine gesunde Lebensweise, bereinigt.

Was steckt dahinter?
Wenn wir uns ansehen was wir mit Aussprüchen wie “Ich kann (darf) keine Schokolade essen.” in uns auslösen, dann steht da vor allem eine Einschränkung. Es erscheint uns eher aufgezwungen. Vielleicht versuchen wir sogar an dieser Einschränkung vorbei zu kommen — “Ein Stückchen geht schon…”. Unser gesprochenes Wort und unsere Gedanken beeinflussen uns. Es gibt ein Feedback welches uns beeinflusst. Wenn wir das für uns nutzen, können wir daraus Gewinn schlagen.
Mit Sätzen wie: “Ich esse keine Schokolade.” setzen wir ein klares Statement und wir setzen es selbst. Wir haben die Entscheidung getroffen und uns selbst ermächtigt keine Schokolade zu essen. Die Entscheidung ist getroffen und wir brauchen keine weitere Willenskraft investieren um Optionen zu bewerten. Das Feedback ist klar und hat eine positive Struktur.

Wie anwenden
Das Rezept funktioniert. Ich praktiziere es selbst und es kann auch dich weiter bringen. Willst du auf Chips verzichten? Dann sag dir: “Ich esse keine Chips!”, willst du regelmäßig morgens Sport machen? Sag dir: “Ich lasse meinen Sport nicht ausfallen!”. Du wirst ein besseres Ergebnis erreichen, wenn du richtig “Nein!” sagst.

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